Die zunehmende Relevanz von Umwelt- und Klimaschutz in der Schule setzt ein wichtiges Zeichen für eine nachhaltige Entwicklung. Sie eröffnet die Chance, unsere gesellschaftliche Verantwortung für den Schutz unserer Umwelt – und explizit für die negativen Auswirkungen unseres Handelns auf das Wohl aller Spezies – in den Bildungsplänen zu verankern.

Wer den Wert des Lebens und das Recht aller Lebewesen auf Freiheit, Selbstbestimmung und Wohlergehen als Grundwerte erlernt und anerkennt, wird sich auch gegen jede Form von Diskriminierung in unserer Gesellschaft aussprechen und demokratisch handeln. Wie kann es uns also gelingen, Kindern und Jugendlichen diese Werte handlungsorientiert zu vermitteln?

Tierschutz ist Klimaschutz und Demokratiebildung

Gesellschaftliche Bildung bedeutet Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Sie bietet die Chance, nachfolgende Generationen zu zukunftsfähigem, moralischem Denken und Handeln zu befähigen. Dank gesellschaftlicher Bildung sind junge Menschen in der Lage, sich für Demokratie, Gleichberechtigung und unsere gesellschaftliche Verantwortung gegenüber allen Lebewesen starkzumachen.

Tierrechte fachübergreifend im Unterricht zu thematisieren und auch die Bildungsmaterialien achtsam zu gestalten, hat einen großen Einfluss auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Denn die Rechte von Tieren zu achten, trägt zum Klimaschutz bei und stärkt den respektvollen Umgang mit allen Lebewesen.

Mitarbeiterin Portrait
Mareike Homann
Campaignerin PETAKids

Kinder und Jugendliche weltweit setzen ein Zeichen für Veränderung und ermahnen die Politik und Wirtschaft zum Umdenken – für den Klimaschutz und für die Zukunft. Wir als Erwachsene tragen die Verantwortung, sie darin zu bestärken. Umdenken heißt, unsere Rolle auf der Welt, unsere Handlungen, unseren Umgang mit der Natur und vor allem die vorherrschende Ausbeutung und Diskriminierung unserer Mitlebewesen kritisch zu hinterfragen.

Ob auf politischer Ebene oder im alltäglichen Leben: Der Schutz von Tieren muss in allen Bereichen unserer Gesellschaft Beachtung finden und sollte spätestens seit seiner Verankerung als Staatsziel im Grundgesetz fester Bestandteil der Schulbildung sein. Tierrechte lassen sich interdisziplinär in alle Fachbereiche integrieren und verdienen besondere Bedeutung, denn Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein für unsere Umwelt sind essenzielle Teile unserer gesellschaftlichen Basis und einer Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Tierschutz in der Schule: 5 Tipps für Lehrkräfte

  1. Integrieren Sie Tierrechtsthemen und kritische Diskussionen über unseren Umgang mit allen Lebewesen in Ihren Unterricht.
  2. Suchen Sie das Gespräch mit den Eltern und anderen Lehrkräften, um sie für die Thematik zu sensibilisieren.
  3. Rufen Sie eine Tierschutz-AG ins Leben, damit die Selbstwirksamkeit der Schüler:innen im Einsatz für die Tiere gestärkt wird.
  4. Setzen Sie sich für strukturelle Veränderungen in Ihrer Bildungseinrichtung ein. Das könnten zum Beispiel tierfreundliche Schulausflüge, pflanzliche Verpflegungsangebote, tierversuchsfreier Biologieunterricht und Ablehnung des Schulmilchprogramms sein.
  5. Bestärken Sie Ihre SuS darin, selbst aktiv zu werden und sich in Form von Referaten und Facharbeiten mit Fragen der Tierethik und Tierrechten zu beschäftigen. Auf der Website petakids.de findet sich zu diesem Zweck eine Fülle an kindgerechten Informationen.

Beispiele für die Praxis in Grundschule, Mittel- und Oberstufe

Ob Ethik, Sachkunde, Naturwissenschaften, Gesellschaftskunde oder Kunst – vor allem in der Grundschule spielen Tiere in fast allen Fächern eine Rolle, denn sie sind Teil unseres alltäglichen Lebens und viele Kinder begeistern sich für Tiere. Mit jedem Tier, das Ihnen in den Unterrichtsmaterialien begegnet, können Sie das Mitgefühl und den Respekt der Kinder stärken und die Grundlage für einen empathischen und achtsamen Umgang mit allen Lebewesen vermitteln.

So lässt sich sogar in Matheaufgaben wertvolles Wissen über Tiere integrieren. Zum Beispiel mit der Rechenaufgabe zum Populationswachstum von heimatlosen Katzen in der Broschüre „Tiere sind meine Freunde“.

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    Beispiele für die Mittel- und Oberstufe: Grundlagen des politischen Systems

    In den Fächern Gemeinschaftskunde, Sozialkunde, Politik oder Wirtschaft lässt sich das Tierschutzgesetz problemlos im Bereich „Grundlagen des politischen Systems“ integrieren. Es dient als ideales Fallbeispiel für politische und demokratische Prozesse und die fortlaufende Weiterentwicklung unseres Grundgesetzes.

    Auch im Bereich internationaler Politik spielen die Rechte der Tiere eine zentrale Rolle. So gibt die EU an, „einige der weltweit höchsten Tierschutzstandards“ zu haben. In der Schulpraxis können zum Beispiel in Verbindung mit dem Thema Freihandelsabkommen auch die Auswirkungen fehlender Tierschutzgesetze und Tierschutzstandards auf dem globalen Weltmarkt behandelt werden.

     

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    Beispiele für die Mittel- und Oberstufe: Zerstörung von Lebensräumen

    Auch im Bereich Geografie spielt unser Umgang mit Tieren eine wichtige Rolle. Mit zunehmendem Bevölkerungswachstum und räumlicher Ausbreitung des Menschen gehen zwangsläufig auch Auswirkungen auf Naturräume und eine entsprechende Gefährdung anderer Spezies einher. Anhand geografischer Entwicklungen lässt sich der Rückgang von Biotopen und damit wichtiger Lebensräume verdeutlichen.

    Ob Moore, Wälder oder Tropen: Der Mensch breitet sich zunehmend aus und ist verantwortlich für das Aussterben zahlloser Tier- und Pflanzenarten. Unser Ziel sollte sein, nachfolgenden Generationen die komplexen Zusammenhänge zwischen menschlichem Verhalten und der Zerstörung von Lebensräumen zu verdeutlichen und sie zu zukunftsfähigem Handeln zu befähigen.

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    Beispiele für die Mittel- und Oberstufe: Flächenverbrauch von Ackern

    Ein praktisches Beispiel für den Flächenverbrauch durch die Tierindustrie bietet das Modell des 2.000-m2-Weltackers [1], ein Bildungsprojekt der Zukunftsstiftung Landwirtschaft über unseren landwirtschaftlichen Flächenverbrauch. Das Modell verdeutlicht, dass wir über genügend landwirtschaftliche Fläche verfügen, um die grundlegenden Bedürfnisse aller Menschen zu decken. Doch allein in Deutschland wird auf rund 60 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche Nahrung für sogenannte Nutztiere angebaut [2].

    Würden wir beispielsweise die industrielle Tierhaltung abschaffen, könnten große Teile unserer Nutzflächen wieder renaturiert werden, während uns gleichzeitig genügend Nahrungsmittel und Rohstoffe zur Verfügung stünden.

    Wie das Modell verdeutlicht, ist nicht der Bevölkerungszuwachs für den hohen Flächenverbrauch verantwortlich, sondern unser unwirtschaftlicher Ressourcenverbrauch. Dieser resultiert aus wirtschaftlichen Interessen und vor allem aus veralteten und längst überholten Landwirtschafts- und Ernährungskonzepten.

    Im Sinne der Agenda 2030 sollten Schüler:innen darin bestärkt werden, sich mit zukunftsfähigen Konzepten zu befassen und die Gründe unserer räumlichen Ausbreitung kritisch zu hinterfragen.

Bildung für nachhaltige Entwicklung – Gesellschaftlicher Fortschritt durch Tierschutz

Tierschutz und Tierrechte spielen eine zentrale Rolle für den Umwelt- und Klimaschutz und sollten daher auch in den Fokus der Bildung genommen werden. Die 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der AGENDA 2030 [3] dienen als Leitlinie dafür. Nachfolgende Beispiele zeigen die Relevanz von Tierrechtsthemen für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele auf und dienen als Inspiration für den Unterricht:

Ziel 2: Ernährung weltweit sichern – Auswirkungen der Tierindustrie auf die Nahrungsmittelknappheit

Ziel 3: Gesundheit und Wohlergehen – Gesundheitliche Auswirkungen durch den Konsum tierischer Produkte sowie eine ausgewogene pflanzliche Ernährung

Ziel 4: Hochwertige Bildung weltweit – Umfassendes Wissen, Verbraucher:innenbildung, ethisches Bewusstsein und Sozialkompetenz im Umgang mit Tieren stärken

Ziel 6: Ausreichend Wasser in bester Qualität – Verunreinigung von Böden und Wasser durch die Tierindustrie und Wasserverbrauch durch die Produktion tierischer Produkte

Ziel 9: Industrie, Innovation und Infrastruktur – Zukunftsfähige, tierleidfreie Innovationen, Projekte und Wirtschafts- und Produktionsweisen (Beispiel: Bio-vegane Landwirtschaft, Forschung ohne Tierversuche …)

Ziel 12: Nachhaltig produzieren und konsumieren – Wolle, Leder, Daunen und andere tierische Bestandteile – Auswirkungen auf die Umwelt und das Leid der Tiere

Ziel 13: Weltweit Klimaschutz umsetzen – Die Tierindustrie trägt maßgeblich zum Klimawandel bei (macht 20 % der CO2-Emissionen aus)

Ziel 14: Leben unter Wasser schützen – Verunreinigung und Überfischung der Meere, Artensterben und Zerstörung von Ökosystemen

Ziel 15: Leben an Land – Lebensräume erhalten und Lebewesen in ihren natürlichen Lebensräumen schützen, um die ökologische Vielfalt zu erhalten

Ziel 16: Frieden, Gerechtigkeit, starke und transparente Institutionen fördern – Gerechtigkeit für alle Lebewesen und Förderungen von Institutionen, die sich für den Schutz aller Lebewesen einsetzen, z. B. ist seit September 2023 in der UN-Kinderrechtskonvention rechtlich festgeschrieben, dass Kinder keinen Gewalthandlungen an Tieren ausgesetzt werden dürfen.

Unterrichtmaterial für alle Klassenstufen

blonder junge mit brille malt in einer grundschule

Grundschule

Grundschule
blondes maedchen mit brille lernt an einem laptop in der mittelstufe

Mittelstufe

Mittelstufe
dunkelhaariger junge der oberstufe mit kopfhoerer schreibt einenm block

Oberstufe

Oberstufe

Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, Tierschutz und Tierrechte in den Bildungsplänen aller Klassenstufen zu verankern und in den Unterricht zu integrieren. Gemeinsam können wir dafür eintreten, den Schutz von Tieren und Lebensräumen im Schulunterricht und in den Bildungseinrichtungen zu verankern und die Weichen für eine zukunftsweisende, tierleidfreie und handlungsorientierte Bildung zu stellen.


Quellen:

[1] Zukunftsstiftung Landwirtschaft: 2000 m2, https://www.2000m2.eu/ (eingesehen am 06.02.2023)
[2] Bundesinformationszentrum Landwirtschaft: Was wächst auf Deutschlands Feldern? https://www.landwirtschaft.de/landwirtschaft-verstehen/wie-arbeiten-foerster-und-pflanzenbauer/was-waechst-auf-deutschlands-feldern (eingesehen am 06.02.2023)
[3] Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung, https://www.bmz.de/de/agenda-2030 (eingesehen am 05.09.2023)